ortszeit |IM DORF

o r t s z e i t hat sich für den Sommer 2012 ein besonderes Kapitel der örtlichen Geschichte vorgenommen: IM DORF beschäftigt sich mit den Schicksalen dreier französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Leoganger Bauernhöfen als Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Während zwei von ihnen einen gewaltsamen Tod fanden, entwickelte der dritte eine solche Verbundenheit zum Dorf, dass er sogar verfügte, dass seine Urne dort beigesetzt werden sollte.

In den Schicksalen der drei Gefangenen spiegelt sich dabei die ganze Bandbreite möglicher Beziehungen im sozialen Raum – Verrat und Untergang haben darin ebenso ihren Platz wie Rettung und neue Heimat. Die beiden Geschichten zu einer einzigen zu verbinden und damit sichtbar zu machen, dass in Wirklichkeit keine ohne die andere vollständig ist, fügt der Wahrnehmung eine wesentliche Dimension hinzu.

“IM DORF legt das Ohr an die Schauplätze dieser Geschichten. Was erzählen sie, wenn man ihr Gedächtnis zum Klingen bringt? Was ist geblieben von den widersprüchlichen Ereignissen einer traumatischen Epoche? Und wie wirken die Erinnerungen daran in das heutige Dorf hinein? IM DORF ist ein Cluster aus Stimmen, die einander ergänzen – oder konterkarieren. Ein Dialog mit der Landschaft, mit dem Dorf”, sagt Ursula Reisenberger.

DIE EUMENIDEN
Parallel zu IM DORF nahm o r t s z e i t DIE EUMENIDEN aus dem Vorjahr im aufgelassenen Leoganger Magnesitwerk wieder auf. Einst zentraler Ort für die Identität des Dorfes, ist der Tagbau heute sogar den meisten Einheimischen nur mehr vom Hörensagen bekannt: Mit brachialen Eingriffen den Menschen angeeignet, hat er sich in den 40 Jahren seit seiner Schließung in ein beinahe unberührtes Stück Natur zurückverwandelt. Ein Raum außerhalb der menschlichen Gemeinschaft, aber von ihr geprägt. Unwirtlich. Zwischenwelt. Dort stellen DIE EUMENIDEN den Muttermörder Orest vor ein Gericht der Götter. Doch was hier verhandelt wird, ist ein Prozess über die Menschheit: Natur und Zivilisation stehen einander gegenüber.

Aus dem Charakter des Ortes und dem antiken Mythos ist ein Stück entstanden, das das Theater nutzt als das, was es einmal war: Ein Ort der Anrufung, der politischen Verhandlung, der Begegnung zwischen Menschen und Göttern. DIE EUMENIDEN wurden 2011 mit einem Preis des BMUKK ausgezeichnet.




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Im Dorf

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